Auf die Frage, was ihm von seiner Zeit an der University of California in Berkeley besonders in Erinnerung geblieben ist, fallen Dr. Jan David Smeddinck spontan zwei Dinge ein: erstens der Mut, Forschungsergebnisse zügig in die Praxis in Form von Spin-offs zwischen Wissenschaft und Start-up-Welt zu bringen; zweitens die flachen Hierarchien zwischen Professorenschaft und Studierenden. „Es fällt sehr leicht, in dieser Wissenschaftskultur ins Gespräch mit Spitzenforschenden zu kommen. Ein gutes Beispiel sind die für Gäste geöffneten Lab-Lunches auf dem Campus. Dadurch entstehen neue Netzwerke und Ideen – und das alles in Kombination mit einer guten Portion Umsetzungskraft. Da ist die nächste Startup-Gründung nicht weit entfernt", so Jan Smeddinck.

Asked what he remembers most from his time at the University of California, Berkeley, two things spontaneously come to Dr. Jan David Smeddinck's mind: first, the courage to bring research results swiftly into practice in the form of spin-offs between science and the start-up world; second, the flat hierarchies between faculty and students. "In this scientific culture, it is very easy to get into conversation with leading researchers. A good example are the lab lunches on campus that are open to guests. They give rise to new networks and ideas – all combined with a healthy dose of drive to get things done. The next start-up is never far away," says Jan Smeddinck.

Eine bayerische Science Community zu KI-Basismodellen

A Bavarian science community for AI foundation models

Der Transfergedanke und die offene Forschungskultur sind Impulse, die Jan Smeddinck als Geschäftsführer der Bayerischen KI-Basismodell-Initiative in die Community geben möchte. Perspektivisch wächst diese auf über 100 Teilnehmende von bayerischen Hochschulen und Universitäten an – dazu zählen Professorinnen und Professoren als Principal Investigators (PIs), Co-PIs, wissenschaftliche Mitarbeitende, Promovierende und Entwicklerinnen und Entwickler. Wissenschaftlich geleitet wird die Initiative von den renommierten KI-Professoren Björn Ommer und Wolfram Burgard. Sie alle forschen und kollaborieren innerhalb der vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geförderten Initiative an zukunftsweisenden KI-Basismodellen. Der Clou ist die Implementierung von multimodalen Daten wie Video, Text, Bild oder Omics-Daten – ein wichtiger Entwicklungsschritt, der über Large Language Models (LLM) hinausgeht. Was Jan David Smeddinck an seiner Aufgabe reizt, ist die Zielsetzung der Initiative: einen Beitrag zur Souveränität Europas im Bereich KI zu leisten und innerhalb des bayerischen KI-Ökosystems Forschung und Entwicklung in Gesundheit und Robotik voranzubringen.

The idea of transfer and an open research culture are impulses that Jan Smeddinck, as Managing Director of the Bavarian AI Foundation Model Initiative, wants to bring into the community. In the long term, it will grow to more than 100 participants from Bavarian universities and universities of applied sciences – including professors as Principal Investigators (PIs), Co-PIs, research associates, doctoral candidates, and developers. The initiative's scientific leadership lies with the renowned AI professors Björn Ommer and Wolfram Burgard. Together they research and collaborate on forward-looking AI foundation models within the initiative funded by the Bavarian State Ministry of Science and the Arts. The key is the integration of multimodal data such as video, text, images, or omics data – an important development step that goes beyond Large Language Models (LLMs). What appeals to Jan David Smeddinck about his role is the initiative's goal: to contribute to Europe's sovereignty in the field of AI and to advance research and development in health and robotics within the Bavarian AI ecosystem.

Internationale Forschungskarriere in Digital Health

An international research career in digital health

Das „matched" bestens mit Smeddincks eigener Forschungslaufbahn im Bereich adaptiver digitaler Gesundheit. Den Startpunkt bildete für den gebürtigen Kölner ein interdisziplinäres Digital-Media-Studium in Bremen mit Inhalten aus Informatik, Design, Psychologie und Kognitionswissenschaften. Auf die Frage, welche Begegnung ihn am Anfang seiner Karriere besonders geprägt hat, muss Jan Smeddinck kurz überlegen. „Während meines Aufenthalts im Sony Computer Science Laboratory (CSL) in Paris habe ich mit Luc Steels zusammengearbeitet. Als Pionier für KI und Robotik habe ich ihn als inspirierende Persönlichkeit erlebt, welche die Brücke zwischen den Disziplinen bis hin zur Kunst schlägt." Diesen interdisziplinären „Drive" lebt auch Smeddinck: Seine Doktorarbeit schrieb er über die Personalisierung von digitalen Anwendungen in der medizinischen Rehabilitation. Eine zentrale Frage dabei lautete: Wie können Gesundheitsdaten aus multiplen Sensorquellen sinnvoll zusammengefügt werden, sodass ein konkreter Patientennutzen entsteht? „Zur Veranschaulichung: Durch personalisierte Gamification-Tools lässt sich zum Beispiel die Motivation von Parkinson-Patienten, eine Therapie auch wirklich durchzuführen, deutlich steigern", so Smeddinck.

That "matches" perfectly with Smeddinck's own research career in the field of adaptive digital health. For the native of Cologne, the starting point was an interdisciplinary degree in digital media in Bremen, combining computer science, design, psychology, and cognitive science. Asked which encounter shaped him most at the start of his career, Jan Smeddinck has to think for a moment. "During my time at the Sony Computer Science Laboratory (CSL) in Paris, I worked with Luc Steels. As a pioneer in AI and robotics, I experienced him as an inspiring figure who builds bridges between disciplines, right through to the arts." Smeddinck lives out this interdisciplinary "drive" himself: he wrote his doctoral thesis on the personalisation of digital applications in medical rehabilitation. A central question was: how can health data from multiple sensor sources be brought together meaningfully so that concrete patient benefit emerges? "To illustrate: personalised gamification tools can, for example, significantly increase the motivation of Parkinson's patients to actually carry out a therapy," says Smeddinck.

Im Rahmen seines Postdocs erfolgte dann der Wechsel als Gastwissenschaftler an die US-amerikanische Westküste und dort an die renommierte University of California in Berkeley. „Während meines Aufenthalts an der UC Berkeley habe ich bewusst meinen Forschungsschwerpunkt um digitale Bildung erweitert und auch Erfahrung im Bereich Gründungs-Szene gesucht", so Smeddinck. Eine zentrale Frage: Wie können Forschungsergebnisse durch Start-ups in konkrete Anwendungen umgesetzt werden? Die Bay Area rund um San Francisco bietet dafür Bedingungen mit Vorbildcharakter: Hier treffen Risikokapital und der Mut, Neues zu wagen, auf Start-up-Ideen im Bereich Künstliche Intelligenz und junge Talente. Eine Prise kalifornischer Lifestyle gehört auch dazu – nah am und auf dem Wasser und immer in Bewegung. In Berkeley hat Jan Smeddinck als begeisterter Segel- und Drachenflieger auch den Segelsport für sich entdeckt. Eine Sportart, aus der er immer wieder neue Energie schöpft und der er auch nach seiner Rückkehr nach Europa treu geblieben ist.

During his postdoc, he moved as a visiting researcher to the US west coast, to the renowned University of California, Berkeley. "During my time at UC Berkeley, I deliberately expanded my research focus to include digital education and also sought experience in the start-up scene," says Smeddinck. A central question: how can research results be turned into concrete applications through start-ups? The Bay Area around San Francisco offers exemplary conditions for this: here, venture capital and the courage to try something new meet start-up ideas in artificial intelligence and young talent. A dash of Californian lifestyle is part of it too – close to and on the water, and always in motion. In Berkeley, Jan Smeddinck – an enthusiastic sailor and hang-glider – also discovered sailing for himself. A sport from which he repeatedly draws new energy and to which he has remained faithful even after returning to Europe.

Daten für künstliche Intelligenz als Game Changer

Data for artificial intelligence as a game changer

Nach einer Assistenzprofessur für „Digital Health" an der School of Computing der Newcastle University an der Küste Großbritanniens erfolgte ein Wechsel ins „Inland", genauer nach Salzburg an das Ludwig Boltzmann Institut für digitale Gesundheit und Prävention (LBI-DHP). Als Co-Direktor koordinierte er am LBI-DHP die Forschungsaktivitäten zu neuen digitalen Technologien, die Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen langfristig unterstützen. Jan Smeddinck hat dabei Forschungsgruppen zur nutzerzentrierten Entwicklung digitaler Gesundheitsinterventionen und zur Datenanalyse, Nutzermodellierung sowie Personalisierung geleitet. „Der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz bietet in diesem Forschungsfeld völlig neue Möglichkeiten. Durch KI-basierte Personalisierung können digitale Gesundheitsanwendungen individuell auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet werden. Und multimodale generative KI-Modelle sind ein echter Gamechanger, mit denen sich diese Anwendungen neuerdings praxiswirksam skalieren lassen", so Smeddinck. Die hohe gesellschaftliche Relevanz in Hinblick auf den Einsatz von KI im Gesundheitsbereich und eine hohe Regulatorik fördern auch Entwicklungen innerhalb der europäischen Forschungslandschaft hin zu souveränen und lokal lauffähigen KI-Systemen. Jan Smeddincks Arbeit verfolgt Open Science und FAIR-Prinzipien im Umgang mit Daten, aber auch mit der Software: findable, accessible, interoperable, reusable. Leitlinien, die ihm auch als Geschäftsführer der Bayerischen KI-Basismodell-Initiative wichtig sind. Für seine an der Ludwig-Maximilians-Universität München angesiedelte Funktion ist er nun von Salzburg nach München gezogen – und befindet sich damit am Puls des bayerischen KI-Ökosystems als Pendant zur Bay Area.

After an assistant professorship in "Digital Health" at the School of Computing at Newcastle University on the British coast, he moved "inland" – more precisely to Salzburg, to the Ludwig Boltzmann Institute for Digital Health and Prevention (LBI-DHP). As Co-Director, he coordinated the institute's research activities on new digital technologies that provide long-term support to patients with cardiovascular diseases. Jan Smeddinck led research groups on the user-centred development of digital health interventions and on data analysis, user modelling, and personalisation. "The use of generative artificial intelligence opens up entirely new possibilities in this field of research. Through AI-based personalisation, digital health applications can be tailored individually to patients' needs. And multimodal generative AI models are a real game changer, allowing these applications to be scaled effectively in practice for the first time," says Smeddinck. The high societal relevance of using AI in healthcare, together with strict regulation, also drives developments within the European research landscape towards sovereign, locally executable AI systems. Jan Smeddinck's work follows Open Science and FAIR principles in handling data – and software too: findable, accessible, interoperable, reusable. Guidelines that are also important to him as Managing Director of the Bavarian AI Foundation Model Initiative. For his role based at Ludwig Maximilian University of Munich, he has now moved from Salzburg to Munich – placing him at the heart of the Bavarian AI ecosystem as a counterpart to the Bay Area.

Mit unserem Open-Source-Ansatz möchten wir auch einen Beitrag zur Demokratisierung von KI-Modellen leisten. Das schafft man nur gemeinsam in enger Kollaboration mit Spitzenforschenden und durch Dialog auf Augenhöhe mit allen Beteiligten.

With our open-source approach, we also want to contribute to the democratisation of AI models. That can only be achieved together, in close collaboration with leading researchers and through dialogue on an equal footing with everyone involved.

Zwei Seiten der Medaille: Wissenschaft und Management

Two sides of the coin: science and management

Wie er seine Rolle mit Leben füllen möchte? „Die Akteure innerhalb der Initiative möchten die Grenzen der KI-Abhängigkeit von US-amerikanischen oder chinesischen Modellen mit der Entwicklung neuer, offener Basismodelle ein Stück weit verschieben. Mit unserem Open-Source-Ansatz möchten wir auch einen Beitrag zur Demokratisierung von KI-Modellen leisten. Das schafft man nur gemeinsam in enger Kollaboration mit Spitzenforschenden und durch Dialog auf Augenhöhe mit allen Beteiligten", so Smeddinck. Eines wird deutlich: Smeddinck versteht beide Seiten, Wissenschaft und Management, eine wertvolle Schnittstellenkompetenz. Und auch möglichen Kooperationen mit Industriepartnern, Startups oder gemeinnützigen Organisationen aus der Wissenschaft als Weg zur Weiterentwicklung von Forschungsergebnissen steht er offen gegenüber, denn es gilt auch: zum geeigneten Zeitpunkt Forschung auf die Straße und in Anwendung bringen. Auf die Frage, ob er sich auch vorstellen kann, vom Segeln auf das Surfen auf der Eisbachwelle umzusteigen, winkt Smeddinck dankend ab: „Besser, wir surfen die KI-Welle innerhalb der Initiative gemeinsam. Aber im Münchner Umland gibt es ja auch viele schöne Seen zum Segeln."

How does he want to bring his role to life? "The actors within the initiative want to shift the boundaries of AI dependency on US or Chinese models a little, by developing new, open foundation models. With our open-source approach, we also want to contribute to the democratisation of AI models. That can only be achieved together, in close collaboration with leading researchers and through dialogue on an equal footing with everyone involved," says Smeddinck. One thing becomes clear: Smeddinck understands both sides – science and management – a valuable interface competence. And he is also open to possible collaborations with industry partners, start-ups, or non-profit organisations from the world of science as a way to develop research results further, because there is also this: bringing research onto the street and into application at the right moment. Asked whether he could also imagine switching from sailing to surfing the Eisbach wave, Smeddinck politely declines: "Better that we surf the AI wave together within the initiative. But there are also many beautiful lakes around Munich for sailing."